Der dritte und letzte Blogpost vom LinuxTag gibt einen kurzen Überblick über die Open Source Strategie vom Microsoft. James Utzschneider hat die Keynote gehalten, er ist Microsofts General Manager of Open Source. Er hat in gut 50 Minuten über das Umdenken in Sachen Open Source bei Microsoft referiert. Vor geschätzten 200 – 300 Linux-Freaks war das sicher keine leichte Aufgabe. Der Vortrag und die anschließende Fragerunde verliefen aber sehr sachlich und fair.
Zum Einstieg der Keynote machte James folgendes Statement: „We have changed“ und untermauerte es mit drei Aussagen:
- “We play well with others”. Zu dieser Aussage lieferte er ein knackiges Beispiel: Er hielt ein iPad in den Händen und erklärte, dass auf dem Gerät (höchstwahrscheinlich) keine Zeile Code von Microsoft läuft, jedoch kann das iPad Dokumente im Open XML Format lesen, welches von Microsoft ausführlich dokumentiert wurde und frei zugänglich ist.
- “We listen to customers”. Beim Thema Interoperabilität hört Microsoft verstärkt auf die Stimmen der Kunden und verbessert die Zusammenarbeit von Microsoftprodukten und anderen Technologien. Dabei war ihm wichtig, dass die Zuhörer verstehen, dass Microsoft keine fremden Technologien kopiert sondern eine bessere Zusammenarbeit anstrebt.
- Natürlich darf auch die Cloud nicht fehlen. Der dritte Punkt war “Open in the Cloud”. Microsofts Azure Plattform unterstützte von Anfang an, neben dem bekannten Microsoft Stack, Technologien wie zum Beispiel Ruby, PHP und Python.
Folgend führte er einige Beispiele an, in denen die neue Strategie erfolgreich umgesetzt wurde. Als erstes sprach er über Windows 7. Es gibt derzeit geschätzte 4 Millionen Anwendungen, die auf Windows 7 laufen. Das diese reibungslos funktionieren, liegt unter anderem daran, dass unzählige offene Standards von Windows unterstützt werden. Microsoft hat aber nicht nur bestehende Standards implementiert sondern dokumentiert auch eigene Technologien, so das andere diese einsetzen können. Ein Beispiel hierfür ist HyperV, die Virtualisierungsplattform von Microsoft. HyperV ist im aktuellen Linux Kernel implementiert.
Als weiteres Beispiel für die neue Offenheit stellte James den Web Plattform Installer vor. Mit ihm können zahlreiche Webanwendungen einfach installiert werden. Zu den Webanwendungen gehören nicht nur Projekte, die auf dem Microsoft Stack aufbauen, sondern auch PHP Anwendungen wie zum Beispiel Wordpress oder Drupal. Als letztes von seinen Beispielen möchte ich Codeplex nennen, die Open Source Plattform von Microsoft. Auf dieser Plattform sind im Moment 3000 Windows-Projekte, 1500 Sharepoint-Projekte sowie 800 Projekte für den SQL Sever gehostet.
Microsoft ist und bleibt ein kommerzielles Unternehmen, das Geld verdienen will und so konnten folgende Fragen nicht positiv beantwortet werden:
- Wird der nächste Internet Explorer Open Source?
- Wird der nächste Internet Explorer auf dem Webkit basieren?
Was mir an der Keynote fehlte, war ein Blick in die Zukunft, z.B. welche neuen Projekte von Microsoft im Open Source Bereich geplant sind.
Der LinuxTag und der Ausflug in die Open Source Welt war für mich eine interessante Abwechslung zu den üblichen .NET Konferenzen. Dank einer sehr engagierten Usergroup konnte ich zum Beispiel auch neues über die Scriptsprache Perl lernen 